Die FTG Pfungstadt aus dem Blick von Kurt Becker
Diese Niederschrift fertige
ich auf wiederholten Wunsch meiner Frau Dora und ich hoffe, dass das Wichtigste
noch in meiner Erinnerung ist.
Es war im Jahr 1955
als wir mit dem Spielmannszug des TSV nach Warschau reisten um dort an den Welt-Jugendfestspielen teilzunehmen. Der Spielmannszug spielte unter der Leitung von Fritz Milius und hatte ein sehr hohes musikalisches Niveau.
Fritz Milius nahm sich damals der Sache an, Ideell unterstützt von Valentin Kirsch und den älteren Mitgliedern des Spielmannszug, aber auch unterstützt von ehemaligen Freien Turnern, die sich nach dem Weltkrieg nicht mehr einem Verein angeschlossen hatten.
Huxhorn war Kommunist, d.h. er gehörte er damals noch genehmigten KPD an. Dies wurde uns oft zur Last gelegt, obwohl ein Großteil unserer Sympathisanten der SPD Nahestand.
im Saal des Lokales „Hufeisen“ Karl Dornbach, Eberstädter Strasse. Nahezu 100 Interessenten waren anwesend. Während die Versammlung ordnungsgemäß abgewickelt wurde kam es außerhalb des Saales zu Störversuchen und Handgreiflichkeiten durch TSV-Anhänger.
Der damalige LSB–Präsident Heinz Lindner, Seeheim lehnte eine Aufnahme ab, da wir in unserer Satzung festgeschrieben hatten, dass wir der Nachfolger der 1933 verbotenen Freien Turngemeinde Pfungstadt seien und somit tendenziös tätig wären. Dies widerspreche den Satzungen des Landessportbundes und seiner Gliederungen.
fand am 1. Mai 1957 bei der Maifeier des Ortskartells der Gewerkschaft auf dem TSV–Gelände statt. Damit war der Durchbruch zunächst einmal geschafft.
wie Gaststätte Saalbau, Georg Vögler, Tankstelle Gandenberger, Eberstädter Strasse, Bauunternehmen Kramer, Landwirt Kramer, Rheinstrasse, im Besonderen aber die amerikanischen Einheiten, Darmstadt Ludwigshöh-Kaserne mit einem verständnisvollen Verbindungsoffizier Helmut Jorissen, wurde in relativ kurzer Zeit ein provisorisches Sportgelände geschaffen. Als Umkleidebaracke diente eine Baubude der Baugenossenschaft Pfungstadt. Wilhelm Crößmann, Fritz Hassenzahl waren die Initiatoren für diese Bereitstellung. Ein Wasseranschluss wurde erstellt, natürlich in Selbsthilfe
1960 wir konnten bereits zum 60jährigen Jubiläum
ein Fußballturnier sowie leichtathletische Wettkämpfe, die Laufdisziplinen allerdings auf der Bachschneise, durchführen. In der überfüllten Sport- und Kulturhalle veranstalteten wir eine Jubiläumsveranstaltung mit akademischer Feier und einem bunten Programm.
Dabei konnte ich viele Gründungsmitglieder ehren, u.a. Ministerpräsident a.D.
Christian Stock, Georg Mai, Johannes Thomas und viele Andere mehr.
Zahlreich vertreten waren die Offiziere der amerikanischen Pioniereinheit mit
ihren Soldaten. Aber auch Fritz Alt, Karl Crößmann (Seckler) die den Gräter der
Firma Kramer fuhren Unmittelbar danach bekamen wir dann Bauverbot, da eine
Umgehungsstrasse geplant war, die über unser Gelände verlaufen sollte.
jedoch fanden wir mit inzwischen tatkräftiger Unterstützung der SPD, an der Spitze Justus Ahlheim, eine Lösung.
Wir zogen um in den Süden der Stadt, worüber nicht alle unsere älteren
Mitglieder einverstanden waren. Aber meine konsequente Haltung setzte sich
damals durch. Ein Glücksfall wie ich meine. Die Stadt entschädigte uns mit einem
Tennenplatz und einem Sportheim westlich des Reitergeländes. Ursprünglich war
noch ein Stadion B gegenüber dem Tennenplatz vorgesehen.
Eine damals suggestive Frage des Stadtrates Wilhelm Crößmann ob die FTG diese
Gelände in Nutzung und Pflege übernehmen könne, beantwortete ich damals ehrlich
aber unüberlegt, dies sei für uns eine Nummer zu groß. Dies würde mir heute
nicht mehr passieren.
Heute existiert dort das Wellen – und Freibad im Sportzentrum Süd nach zwischenzeitlicher Nutzung durch den Reit- und Fahrverein Pfungstadt.
Der bereits erwähnte Tennenplatz wurde nun zur Heimat der Freien Turner. Ein
Sportheim war integriert und konnte durch Unterstützung von Philipp Zickler in
Selbsthilfe wesentlich erweitert werden. Es begann eine weitere
Aufwärtsentwicklung besonders im Fußball.
Der Zusammenhalt war einmalig gut. Im Turnen und der Akrobatik allerdings gab es Hallenprobleme. Der TSV zeigte sich nicht gerade kooperativ. Durch Vermittlung und Engagement des damaligen Stadtrates Justus Ahlheim bekamen die Akrobaten die Möglichkeit auf der Bühne der Sport- und Kulturhalle zu trainieren.
Trainiert haben die Akrobaten auch im Saal der Gaststätte „ Rheinluft“ in Hahn, der in den Wintermonaten mit einem Sägemehlofen geheizt wurde.
Ungeachtet dessen war die 70Jahrfeier, verbunden mit der Fahnenweihe ein bis heute noch unerreichtes Fest an dem sich ganz Pfungstadt beteiligte.
Ein Festzug der Superlative, so berichtete die Presse überschwänglich, gab dem Fest sein besonderes Gepräge. Natürlich war die Fahnenweihe der absolute Höhepunkt.
Der ehemalige Staatsminister und Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Ludwig Metzger, nahm die Fahnenweihe vor. Die Fahne wurde anhand von Bildmaterial, welches von ehemaligen Mitgliedern der 1933 verbotenen FTG zur Verfügung gestellt wurde gefertigt. Die Traditionsfahne wurde 1933 von der SA. beschlagnahmt und öffentlich verbrannt. Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Überreichung eines Protokollbuches der FTG aus der Zeit vor 1933 durch Karl Grünig, dem damaligen Vorsitzenden des TSV. Dieses Buch hatte der Vater von Karl Grünig während der Nazizeit in Verwahrung.
Gegenüber der Pfungstädter Bevölkerung war der Durchbruch endgültig geschafft.
Dem Verein schlossen sich weitere Sportarten an, sodass sich in der FTG ein Spiegelbild der Pfungstädter Bevölkerung darbot. Trotzdem hatten es die Freien Turner zu keinem Zeitpunkt leicht. Eifersüchtig wachten andere Vereine, besonders der TSV, darüber, dass die Freien Turner nicht übervorteilt wurden.
Dazu bestand allerdings kein Anlass, denn alle politischen Parteien zeigten stets eine gewisse Distanz zur FTG. Zu stark war die Lobby des TSV und der Germania in diesen politischen Gremien. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
errichtete die Stadt einen Rasenplatz und stellte diesen mit einem Nutzungsvertrag der FTG zur Verfügung und erfüllte damit eine Vereinsforderung auf eine Bedarfsorientierte Förderung und Unterstützung der FTG.
Wieder war es Philipp Zickler, der uns für Umkleide- und Aufbewahrungszwecke
eine Garage zur Verfügung stellte, und somit einmal mehr wesentlich
unterstützte. Somit waren zunächst einmal die Voraussetzungen für eine
konstruktive Aufbauarbeit im Bereich Fußball gesichert. Hier muss ich einmal die
Freunde nennen, die mich in den nicht gerade einfachen Jahren im Bereich Fußball
unterstützten, und ich hoffe keine wesentlichen Personen zu vergessen. Es waren
Fritz Müller, Karl Wambold, Kurt Lackmann, Wilhelm Kraft, Erich Dreher, Adam
Sticksel, Michael Haag, Fritz Alt u.a.m. die mich auch einmal in schwachen
Stunden stützten. Nachdem sich der Spielmannszug aufgelöst hatte, lag ein
weiteres Schwergewicht der Vereinstätigkeit in der Sportakrobatik.
Deutsche Meisterschaften, Landesmeisterschaften, Pokalwettkämpfe, internationale Vergleichskämpfe, Freundschaftsbegegnungen mit China, Russland, Bulgarien, Polen , England, Belgien und vielen anderen mehr machten die FTG nicht nur national bekannt.
Beschränken will ich mich aber einmal mehr auf Pfungstadt.
Es war bei einem Jubiläum des TSV Pfungstadt, als der damalige TSV Vorsitzende Christian Meid, mich um die Mitwirkung der Akrobaten bat. Mit einem mulmigen Gefühl sagte ich zu. Und mit dem gleichen mulmigen Gefühl betraten wir damals die Bühne in einem riesigen Festzelt, das unmittelbar vor dem TSV-Sportheim auf dem ehemaligen DT-Gelände stand. Aber bereits nach der ersten Pyramide wurden wir begeistert von den Festbesuchern gefeiert. Wir liefen damals zur Hochform auf und nichts war zu spüren von den nach wie vor sportpolitischen Gegensätzen beider Vereine.
Immerhin hatten die Akrobaten etwas bewirkt, was an einem Schreibtisch nicht so
einfach zu lösen gewesen wäre.
Erfolge lassen manchen abheben, so auch bei uns, den Akrobaten. Wir hatten eine mitgliederstarke Abteilung mit erfolgreichem Nachwuchs und ich wurde aufgefordert mich mehr um meine regionalen und nationalen Positionen zu kümmern.
Wolfgang Maurer, der als Untermann der ebenfalls sehr erfolgreichen Herwodies zu uns gekommen war, sollte und wollte die Leitung der Abteilung übernehmen.
Um es kurz zu machen, es ging schief.
Niemand mehr kam in die Halle, bis mich Eltern ansprachen mich doch wieder um den Nachwuchs zu kümmern. Ich erklärte mich bereit und durch Mundpropaganda sprach es sich herum, sodass innerhalb relativ kurzer Zeit wieder nahezu 30 Jugendliche zum Training erschienen. Mit Unterstützung meiner Tochter Margit und den Mitgliedern der ATUS. Hermann Messer, Otmar Bitsch und Bernd Richter schafften wir es wieder an die gewohnten Erfolge anzuknüpfen. Hinzu kamen im Laufe der Zeit als Helferinnen und Helfer Erika und Norbert Müllmann u.a.m. Es entwickelte sich eine erfolgreiche Aufbauarbeit, die Dank zielstrebiger Arbeit bis heute anhält.
So vertrat der Chronist die Akrobatik im Schwerathletik - Bezirk Darmstadt, wurde zum Landesvorsitzenden des Hessischen Kunstkraftsport Verbandes gewählt, war Mitglied im Bundesvorstand und wurde 1978 zum kommissarischen Präsidenten des Bundesverbandes ernannt, nachdem der damalige Präsident Emil Glässner verstarb.
Im Jahre 1979 wurde er offiziell zum Präsidenten des Bundesverbandes gewählt. Zum gleichen Zeitpunkt wurde er auch im internationalen Verband zum Vizepräsidenten gewählt. Bei der Niederschrift dieser Chronik ist er 25 Jahre in den Ämtern tätig. Die FTG leitet er nach wie vor, möchte aber baldigst sein Amt in jüngere Hände legen. Ein schwieriges Unterfangen - aber natürlich nicht unlösbar.
Nach langen, schwierigen Bemühungen gelang es dem Chronisten endlich ein eigenes Funktionsgebäude mit Sporthalle zu errichten.
Bundesstützpunkt und Landesleistungszentrum für Sportakrobatik sind Mitnutzer der Sportanlagen und tragen so wesentlich zur Popularität der Sportanlage bei, die in ihrer Gesamtheit 3 Sportplätze, die bereits erwähnte Sporthalle mit einer beliebten Gaststätte (zur Tribüne), Schlafräume für die Kadersportlerinnen und Sportler, sowie Umkleideräume für alle Nutzer der Anlagen, ausweist.
Inzwischen ist der Verein auf eine Mitgliederzahl von 1200 angewachsen. In der nationalen Spitzenklasse bestätigen sich immer wieder die Gewichtheber, die Schwimmer, Unterwasserrugby und Sportakrobatik. Die Freien Turner waren und sind aus dem Pfungstädter Sportgeschehen nicht mehr wegzudenken.
Kurt Becker
im Oktober 2004
Diese Niederschrift wollte Kurt Becker fortsetzen - Im Dezember 2004 verstarb
er.